Radeon KMS unter Debian

October 21st, 2009

Seit Anbeginn der Zeitrechnung zeichnete sich der Systemstart unter Linux durch das Vorbeiziehen unzähliger Textzeilen, gefüllt mit mehr oder minder spannenden Informationen aus. Der geübte Administrator schätzte die Informationsflut, der weniger geübte zuckte mit den Schultern.

Je weiter sich das System entwickelte, desto mehr Mühe gaben sich die Entwickler jedoch, diesen Vorgang optisch aufzuwerten. Zuerst durch den Wechsel vom Text- in einen kruden Grafikmodus, später dadurch, dass die Zeilen durch bunte Bilder mit Fortschrittsbalken ersetzt wurden, um auch ängstliche Endanwender nicht durch Systemnachrichten zu beunruhigen.

Ein Schönheitsehler blieb jedoch: nach dem Startvorgang, als der Kernel die Kontrolle über die Grafikhardware dem X-Server übergab, musste diese mit den gewünschten Parametern (Bildschirmauflösung etc.) neu eingestellt werden, was Zeit brauchte und zu kurzen Aussetzern bei der Anzeige führte.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Dank KMS (kernel-based mode setting) ist der Kernel neu mit Intel- und ATI-Hardware in der Lage, von Anfang an den korrekten Grafikmodus zu wählen. Das führt zu schnelleren und optisch schöneren Systemstarts und macht ganz nebenbei im laufenden System den Wechsel zwischen X und Konsole schneller und weniger Fehleranfällig.

Kommende Versionen von Desktop-Distributionen werden KMS wohl standardmässig aktiviert haben. Ungeduldige Zeitgenossen, welche dies möglichst sofort auf einer Debian-Maschine ausprobieren wollen, müssen noch ein wenig selber Hand anlegen. Zu diesem Zweck habe ich eine kleine Anleitung geschrieben, wie die nötigen Pakete neu zu kompilieren sind.

Viel Spass damit.

Computer, Software

Senf 2009.2 – Abstimmungen

September 13th, 2009

Abstimmungszeit, sinnarme-Beiträge-Zeit. Darum hier meine Worte zum 27. September:

IV-Zusatzfinanzierung: NEIN

Die Vorlage sieht vor, die Mehrwertsteuersätze zugunsten der Invalidenversicherung (IV) während sieben Jahren (2011–2017) zu erhöhen. Mit diesem wichtigen Schritt im Sanierungsplan kann dem Defizit und der enorm anwachsenden Verschuldung der IV Einhalt geboten werden.

Genau. Klar ist, dass die IV funktionieren muss. Weniger klar ist, dass sie das tun wird, wenn sie mehr Geld bekommt. Und klar falsch ist, das Geld über eine «befristete» Mehrwertsteuererhöhung einzuholen.

So scheinen die Zahlen der körperlich behinderten IV-Bezüger in den letzten Jahren mehr oder weniger konstant geblieben zu sein, während sich die Invalidität auf Grund psychischer Probleme vervielfacht hat – kein Wunder, wenn sogar Staatsbetriebe ihre Angestellten lieber in die Invalidität als in Pension schicken. Mit der vorgeschlagenen Zusatzfinanzierung kann die bisherige Praxis weiterbestehen, da der Druck auf die IV, die Missstände zu beseitigen, reduziert wird – das Geld verpufft und in wenigen Jahren stehen wir wieder gleich da wie heute.

Das heisst, gleich, aber mit erhöhter Mehrwertsteuer. Es erstaunt nicht weiter, dass diese in den meisten Ländern, in denen die Bevölkerung nicht unmittelbar Einfluss nehmen kann, erheblich höher ist als bei uns. Aus Sicht der Politiker bietet sich hier ein hervorragendes Rädchen, welches nur ganz langsam gedreht werden muss, um ganz viel Geld hereinzuholen – und noch nicht einmal unschön auf der Steuererklärung auffällt. Ein Ablehnen dieser Erhöhung setzt ein klares Zeichen, dass wir nicht gewillt sind, bei diesem Spiel mitzumachen, denn sobald wir diese Erhöhung akzeptieren, werden aus allen Löchern weitere Begehrlichkeiten gekrochen kommen (ein Viertelprozent für Exportsubventionen? ein Halbes für den Kampf gegen den Terrorismus? vielleicht noch ein Bisschen was für die SRG?). Ahja, die Mehrwertsteuer im Allgemeinen existiert übrigens nur «befristet» bis 2020.

Ich werde gerne einem Vorschlag zustimmen, der ein paar Milliarden beispielsweise bei der Armee abzwackt um der IV zu helfen; wenn es wirklich so dringend nötig ist, können wir sicher auf das eine oder andere Kampfflugzeug verzichten.

Verzicht auf die Einführung der allgemeinen Volksinitiative: NEIN

Die Bundesverfassung sieht seit 2003 die allgemeine Volksinitiative vor. Weil dieses Instrument in der Praxis jedoch nicht angewendet werden kann, wollen Bundesrat und Parlament die entsprechenden Bestimmungen aus der Verfassung streichen.

Hier finde ich die Argumentation etwas dürftig. Die allgemeine Volksinitiative wird als zu kompliziert und in der Praxis nicht durchführbar bezeichnet ohne dass sich Gründe für dieses Urteil finden lassen und ohne dass sie je in der Praxis erprobt worden wäre. Andererseits habe ich davon nicht Ahnung genug, um eine überzeugte Meinung zu haben, darum ein eher scheues «Nein».

Fazit: wenn es nach mir geht, bleibt alles beim Alten. Ein Hoch auf den Status quo.

Schweizerland

Es wird ruhiger

July 24th, 2009

Bzw. bei denen, die pidgin-privacy-please schon kennen bleibt es ruhiger. Bei allen anderen, die durch nervenden IM-Spam Einbussen in ihrer ansonsten makellosen Produktivität verzeichnen, möchte ich die Veröffentlichung der neuesten Version zum Anlass nehmen, darauf hinzuweisen, dass pidgin-privacy-please nicht nur Spam von spezifischen Benutzern, sondern auch generell alles von unbekannten Nachrichtenquellen, wiederholte Authorisationsanfragen sowie einigen weiteren Müll entsorgen kann.

Wer pidgin hat, sollte auch das Plugin problemlos installieren können: neben dem Quellcode gibt es vorgefertigte Pakete für Debian und Ubuntu, verschiedenste RPMs und sogar einen Installer für Windows.

Nun denn, auf eine ruhige Zeit.

Ankündigung, Computer, Das Netz, Software

Die Piraten

July 14th, 2009

Für alle, die’s verpasst haben: Letzten Sonntag wurde in Zürich die Piratenpartei Schweiz gegründet. Ähnlich wie die gleichnamigen Parteien in andern Ländern, kämpfen die lokalen Piraten für Themen wie den Schutz der Privatsphäre, eine Reform des Urheberrechts und den (zensur-)freien Zugang zu Informationen. Ich rate meiner Leserschaft, dieser Vereinigung auch beizutreten, weil erstens jede Unterstützung (auch rein finanzieller Natur) willkommen ist, zweitens zur Zeit noch alles am entstehen und folglich form- und beeinflussbar ist und drittens als Zeichen der Unzufriedenheit den derzeitigen politischen Akteuren gegenüber.

Und nein, es herrscht kein Papageienzwang.

Ankündigung, Schweizerland

Mittesten!

May 14th, 2009

Ab sofort ist die breite Öffentlichkeit dazu aufgerufen, den neuen, experimentellen planster auszuprobieren. Alles ist anders, vieles ist besser, und dank Philipps Mithilfe ist meiner Meinung nach auch die Optik erheblich ansprechender.

Probleme, Wünsche und sonstige konstruktive Kommentare sind im bug tracker am besten aufgehoben.

Ahja, die NX-Version bitte nicht produktiv verwenden, da die Daten gelegentlich vernichtet werden…

Das Netz, Software