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Tiefflieger

February 12th, 2006

Endlich habe ich einen neuen schlechtesten Film, den ich je im Kino gesehen habe gefunden.

Gestern sah ich “Grounding”, den Swissair-Endzeit-Film.

Für die Grundthematik kann man sich interessieren, muss man aber nicht. Ich fänd es an sich noch recht spannend.

Die Umsetzung hingegen ist einfach nur schlecht. Die Probleme fangen damit an, dass der lose nach den echten Gegebenheiten gestrickte rote Faden durch abstrus lächerliche Familien-, Liebes- und persönliche Schicksalsgeschichten unterbrochen wird, die, als ob ihre alleinige Existenz nicht schon abstossend genug wäre, auch noch von höchstens zweitklassigen Schauspielern dargestellt werden. Ein saublödes Kind, seine arme flugbegleitende Mutter, ihr armer pilotierender Freund, ein armer Mechaniker, ein noch ärmerer Koch und dessen ach so böser Sohn, der für eine dieser teuflischen Banken arbeitet scheinen in grotesker Weise zu versuchen, das Publikum emotional zu binden.

Fast noch behämmerter ist aber das simple gut-böse Schema, welches dem Film aufgezwängt wurde. Mal abgesehen davon, dass alle Bösen (und nur diese) sich dem Laster des Rauchens hingeben, gibt es den selbstlosen Kämpfer, der alles zur Rettung der gloriösen Swissair unternimmt (Mario Corti), den fiesen Pläneschmieder (Moritz Suter) der den rückgratlosen Opportunisten (André Dosé) dazu drängt, ebendiesen Helden zu hintergehen und die gute Bank (Credit Suisse), welche eigentlich ja zusammen mit dem netten Politiker (Kaspar Villiger) helfen möchte, aber von der Inkarnation Satans (UBS) und deren teuflischem Anwalt in schändlicher Weise davon abgehalten wird. Auch ist natürlich keine Rede davon, dass der Held am Schluss mit einem mehrstelligen Millionienbetrag aus der Sache herauskam oder dass die ach so edlen Piloten mit ihrem elitären Getue und den überrissenen Lohnforderungen zusammen mit den nationalstolzen Plänen der Politik die Swissair TNG direkt in die Klauen der gottlosen Germanen getrieben haben.

Die Liste liesse sich fast beliebig fortsetzen. Wer aber mehr Details will, soll sich den “Spass” selber antun; eine fröhliche Abwechslung zwischen schallendem Gelächter und wütendem Zurückwünschen des Eintrittsgeldes ist garantiert.

Es lebe der schweizer Film!

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  1. carlo
    March 1st, 2006 at 18:54 | #1

    Die wohl lustigste Filmkritik seit langem. Michael Steiner sucks!